Buchtipp: Medienwandel kompakt 2011-2013

medienwandelNach einer etwas längeren Pause hier im Blog möchte ich auf dieses tolle Buch hinweisen: „Medienwandel kompakt 2011-2013“ heißt es und ist druckfrisch bei Springer VS* erschienen.

Der Sammelband wurde von Leonard Novy, Jan Krone und Christoph Kappes herausgegeben. Darin finden sich insgesamt 73 Beiträge verschiedener Autoren, die sich in den letzten drei Jahren mit dem Thema Medienwandel beschäftigt haben. Denn hier ist viel passiert, wenn man, um nur einige Stichworte zu nennen, an Netzneutralität, Urheberrecht, Leistungsschutzrecht, E-Publishing, E-Commerce, Journalismus und Politik denkt.

Entsprechend viel wurde dazu publiziert, das meiste davon aber im Netz und somit auch leider oft mit einer relativ geringen Halbwertszeit. Viele dieser Beiträge aber sind zu interessant, um im Netz zu verschwinden. Und reiht man sie, wie hier im Buch geschehen, aneinander, ergibt sich daraus eine hochspannende Dokumentation für die rasante Entwicklung, die wir derzeit erleben und die neben vielen Chancen auch viele noch zu lösende Probleme mit sich bringt.

Ich freue mich außerdem sehr, dass auch ein, wenn auch winzig kleiner, Beitrag von mir mit im Buch dabei ist.

Das Buch kann man für 29,95 Euro als E-Book, bzw. für 39,95 Euro in gedruckter Version mit Soft-Cover direkt beim Springer-Verlag zu kaufen. Für jeden, der sich mit den Themen Internet, Medien und Kommunikation beschäftigt, eine absolute Pflichtlektüre.

*bitte nicht im DEM Springer-Verlag, der Blätter wie Bild oder Welt herausbringt, verwechseln.

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Die Interactive Cologne 2014 – so war`s

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In diesem Jahr war ich zum ersten Mal seit 2010 nicht in Berlin auf der re:publica – es klappte zeitlich nicht und außerdem wollte ich stattdessen lieber ein paar kleinere Konferenzen und BarCamps besuchen. Am Mittwoch und Donnerstag war ich also auf der Interactive Cologne unterwegs. Und ich bin ein bisschen hin- und hergerissen, wie ich die Konferenz für mich bewerten soll. Es war interessant, aber von einer Konferenz, die „interactive“ im Namen trägt, hatte ich anderes erwartet.

Während der Mittwoch sich vorrangig mit der Digital Economy beschäftigte, ging es am Donnerstag um Digital Media und Digital Society – an sich interessante und spannende Themen. Doch insgesamt hatte ich den Eindruck, dass von den Veranstaltern zwar ambitioniert versucht worden war, einiges unter einem Dach zusammenzubringen, man sich dabei aber weniger Gedanken um die Zielgruppe gemacht hatte. Dazu in den Vorträgen viel Eigenwerbung, Selbstbeweihräucherung und rein selbstreferentielles Vortragen anstatt Teilen von Wissen und Entwickeln neuer Ideen oder gar Thesen. Viel war von den sogenannten „Nerds“ die Rede und oft genug wurden auch gängige Klischees wie „Frauen gucken GNTM, Männer interessieren sich für Formel 1“ bedient. Die Keynote am Eröffnungs-Mittwoch von Unity Media/Kabel BW ging so außerdem gar nicht – wenn ich Werbung möchte, gucke ich in die Werbebriefe, die wir regelmässig von Unity Media bekommen. Also nie.

Interaktion war außerdem das große Thema der Interactive Cologne 2014, aber dann saß man in den Vorträgen halt mit diesen Kopfhörern auf dem Kopf – irritierend für die Redner, weil so kaum Stimmung wahrnehmbar war und auch nur wenig Feedback kam, während man sich als Zuhörer auch nicht mehr mit seinem Sitznachbarn austauschen konnte. Natürlich gab es für die Kommunikation die Kaffeebar und den netten Innenhof. Nur: Austausch, Gespräche und Networking im Sinne einer offenen, kreativen Atmosphäre, wie man das von thematisch verwandten Veranstaltungen kennt, fanden hier kaum statt. Man stand halt mit seinem Kaffeebecher oder der Cola in der Hand herum, quatschte ein bisschen und dann ging man wieder rein, zog sich den Hörer auf den Kopf und hörte dem Vortrag zu, während man parallel ins Smartphone starrte. Wobei selbst da nicht viel passierte: Ich finde immer noch erstaunlich, wie wenige Leute live mittwitterten, wo es doch um Interaktivität ging. Und wenn wir gerade dabei sind: Wo stand auf der Website der Konferenz das Hashtag? Wo waren in der Kirche die Hinweisschilder mit dem Verweis aufs offene Wlan und das offizielle Hashtag sowie die Aufforderungen, sich im Netz aktiv zu beteiligen? Wäre es außerdem nicht toll gewesen, das Hashtag zum trending topic auf Twitter zu machen? Warum gab es vorab so wenig Community? Und damit meine ich nicht diese schräge App, über die man sich das Programm als PDF (!) von einer Dropbox (!!) herunterladen konnte.

Die Location, die Trinitatiskirche, gefiel mir, aber Atmosphäre und Stimmung, wie ich das von anderen Veranstaltungen dieser Art kenne, kam hier nicht so recht auf. Es fehlten Herz und Seele. Und Identifikationsfiguren: Die Macher waren zu wenig präsent, die Vortragenden zu schnell nach ihren Beiträgen wieder verschwunden, ebenso wie die anwesende Lokalprominenz, die sich nach der Eröffnungsrede ganz schnell wieder auf den Weg machte.

Oder anders:

 

Ich will jetzt aber nicht nur meckern, es gab natürlich auch Beiträge, die ich interessant fand: Stefan Kiwit von Exit-Media erzählte, wie Content Marketing auf einem neuen Level funktionieren kann. Das Interview mit ITV und Grandcentrix in Sachen Quizduell gab einige interessante Einblicke. Die Beiträge über Paid-Content, Bit Coins, Big Data, Entrepreneurship und die Zukunft der Innenstädte im Zeichen des zunehmenden E-Commerce waren natürlich auch nicht ganz unspannend. Eine Folge vom „Digitalen Quartett “ wurde aufgezeichnet und Johnny Häusler erzählte über die Geschichte der re:publica. Ich hatte außerdem nette Gespräche, habe viele bekannte Gesichter gesehen und kann natürlich auch einiges für mich mit nach Hause nehmen. Nur: Der Funke ist nicht übergesprungen.

Ob ich aber nächstes Jahr nochmals hingehe? Ich glaube nicht. Da fahre ich lieber wieder nach Berlin.

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Wie entwickelt man eine Content-Strategie?

Contentstrategie

 

Der Einsatz von Social Media und Blogs wird nicht funktionieren, wenn man sich vorab nicht ein paar grundlegende Gedanken macht. Hier ein bisschen bloggen, da ein bisschen twittern, zwischendurch schnell ein paar Fotos bei Instagram hochladen und ein Video bei Youtube posten – so kann man natürlich vorgehen. Allerdings kostet das nicht nur eine Menge Zeit, unter Umständen agiert man damit an der Zielgruppe vorbei und verschenkt außerdem eventuell wertvolle Inhalte.

Eine Content Strategie muss also her. Hier die wichtigsten Punkte, die darin behandelt werden:

Eine Content-Strategie entwickeln – was dabei beachtet werden muss

1. ) Zielgruppe und  Unternehmensziele: Machen Sie sich Gedanken über Ihre Kunden: Was machen die so im Netz, was interessiert sie? Und was wollen Sie als Unternehmen mit all ihren Maßnahmen wirklich erreichen?

2.) Ressourcen: Wieviel Zeit haben Sie fürs Bloggen und die Betreuung Ihrer Social Media-Kanäle? Was ist realistisch leistbar? Rechnen Sie damit, dass Sie pro Woche zwischen 6 und 10 Stunden aktiv sein müssen. Denken Sie daran, dass es Ihrer Reputation nicht gut tun, wenn Sie verschiedene Social Media-Kanäle eröffnet haben, dort aber nicht aktiv sind. Genauso ungünstig ist es, ein Blog zu haben, in dem nach einer quirligen Startphase auf einmal nichts mehr passiert.

3.) Kommunikationskanäle: Welche sind für Sie interessant? Wenn Sie nicht fotografieren können und wollen, ist es zum Beispiel nicht sinnvoll, einen Account bei Flickr, Instagram oder Pinterest zu eröffnen. Beachten Sie dabei, dass alle Plattformen unterschiedlich funktionieren, die Inhalte sollten also entsprechend formuliert werden. Prinzipiell gilt: Wenn Sie keine Lust auf Social Media haben, nichts im Netz über sich und Ihre Arbeit erzählen wollen und Facebook und Twitter außerdem doof finden: Fangen Sie bitte erst gar nicht mit Social Media an, denn Ihre Unlust wird man Ihnen anmerken und das ist schädlich fürs Business.

4.) Themen:  Machen Sie sich Gedanken über die Themen, über die Sie schreiben können und fokussieren Sie sich dabei nicht nicht nur auf Ihr Produkt, sondern auch Themen „drum herum“.

5.)  Workflow: Der Workflow ist entscheidend. Wenn Sie zum Beispiel am Wochenende auf einer Messe sind, können Sie von dort aus ein paar Fotos mit Instagram machen und sie automatisch mit einem Klick nicht nur auf Instagram, sondern auch auf Facebook und Twitter teilen. Abends bloggen Sie einen kleinen Nachbericht über Ihre Eindrücke und den Artikel automatisch auf Google+, Twitter und Facebook teilen. Anschließend plaudern Sie ein bisschen auf Facebook mit den Fans, die Ihren Artikel dort kommentiert haben. Zwei Tage später bloggen Sie außerdem noch einen ausführlicheren Nachbericht, in dem Sie auf andere Blogger verlinken, die ebenfalls Nachberichte verfasst hatten. Außerdem richten Sie auf Pinterest ein Board für „Messeneuheiten“ ein und sammeln alle Fotos noch in einer Flickr-Gruppe – und natürlich können auch andere Messebesucher ihre Fotos in dieser Gruppe posten, so dass ein tolles Album entsteht. Aufwand: Alles in allem maximal 5 Stunden.

6.) Mehrwert: Machen Sie sich nicht nur Gedanken über die Themen, sondern vor allem darüber, wie Sie Ihren Lesern welchen Mehrwert anbieten können. Im Netz hat keiner Lust auf Werbung. Wenn Sie nun also ununterbrochen auf allen Kanälen posten, wie toll Ihr Produkt ist und ständig aufs eigene Angebot verlinken, nervt das Ihre Leser und Sie werden nur Follower zweiter und dritter Klasse haben -nicht aber die Leute, die für Sie eigentlich interessant wären.

7.) Arten von Inhalten: Vergessen Sie nicht: Content sind nicht nur Texte und Fotos,  sondern viel mehr alles, was man nur irgendwie online stellen kann: Dazu gehören Texte, Fotos, Youtube-Tutorials, Tweets, Facebook-Posts, Infografiken, E-Books, Podcasts, und, und und. Es gibt also viele, viele Möglichkeiten. Genauso können Sie im Blog Interviews, Fotos, Mood-Boards oder Tests veröffentlichen – seien Sie ruhig ein bisschen kreativ.

Erst wenn all diese Punkte eingehend untersucht wurden, kann der nächste Schritt getan werden und ein Redaktionsplan entwickelt werden.

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Social Media und Blogs – warum Unternehmen darauf setzen sollten

social media und blogs

Der Seite ist online – und nun?

Ihre neue Website oder Ihr neuer Onlineshop hat ein schickes Design bekommen, Sie haben alle Texte und Fotos online gestellt und sich, wenn Sie einen Shop haben, um alle rechtlichen Vorgaben und die Bezahlmöglichkeiten gekümmert. Alles ist also bereit für den großen Kundenansturm – doch wie macht man seine Seite und seinen  Shop nun bekannt?

Google Ads

Eine Möglichkeit bieten Google Ads – also kleine Werbeanzeigen auf Google, die bei entsprechenden Suchanfragen eingeblendet werden. Diese Einblendung ist für Sie kostenlos, Sie bezahlen erst, wenn jemand auf die Werbung klickt. Je mehr klicken, umso teurer wird es also – damit einem die Kosten dabei nicht davon laufen, lässt sich ein Maximalbetrag aangeben. Allerdings: Ein Klick ist noch lange keine Gewährleistung dafür, dass im Shop anschließend auch gekauft wird. Wer klickt, ist meistens genauso schnell wieder weg – wenn überhaupt geklickt wird. Und selbst, wenn man neue Kunden erreicht: In Sachen Kundenbindung tut man damit nicht viel.

Suchmaschinenoptimierung

Viel interessantere Möglichkeiten und nachhaltigere Möglichkeiten bietet die Suchmaschinenoptimierung. Hier wird zwischen Onpage-SEO und Offpage-SEO unterschieden. Onpage-SEO betrifft Maßnahmen auf der Website. Dabei geht es zum Beispiel um einen für die Suchmaschinen gut lesbaren Quellcode, um optimale Formulierungen für Seitentitel und Überschriften, um interne Verlinkung und um gut gewählte Keywords – Suchmaschinen mögen gut strukturierte und selbsterklärende Seiten mit „sprechenden“ URLs. Offsite-SEO betrifft alle Maßnahmen außerhalb der Seite: Dabei werden die Links, die zum Shop verweisen, bewertet – je mehr das sind, umso besser. Allerdings spielt auch die Art der Links eine Rolle – Links von themenverwandten Seiten sind wertvoller als welche von fachfremden Seiten. Entscheidend ist auch, ob sich der Linkaufbau („Linkbuilding“) natürlich, also langsam entwickelt. Verweisen innerhalb einer Woche 50 neue Links auf die Seite ist das zum Beispiel nicht gut. Suchmaschinenoptimierung ist also nicht ganz einfach, hier müssen viele Dinge beachtet werden. Entsprechend gibt es mittlerweile unendlich viele SEO-Berater und SEO-Agenturen, die ihre Dienstleistungen für teures Geld anbieten.

Google Panda

Und dann ist da außerdem noch Google Panda: 2011 führte Google ein Update für die Suchalgorithmen und die Suchlogik namens Panda ein – davon waren 12 Prozent aller Suchanfragen betroffen und das ist nicht eben wenig. Zwei weitere Updates folgten – im September 2012 und im Januar letzten Jahres. Ziel von Panda war es, Seiten mit hochwertigen Inhalten künftig besser zu bewerten, während sogenannte Content-Farmen, also Seiten, die Content hauptsächlich als Suchmaschinenfutter publizierten, deutlich herabgestuft wurden. War es bis dahin möglich, das Google-Ranking durch aufwendige SEO-Massnahmen zu verbessern, rutschten nun auf einmal Seiten, die einfach nur auf hochwertige Texte und Fotos gesetzt hatten, im Ranking weit nach oben -zum Ärgernis für SEO-Berater, die sich bis dahin eher wenig mit dem Thema „hochwertiger Content“ beschäftigt hatten. Super aber für alle, die Websites mit guten Texten oder aber Corporate Blogs auf ihren Websites integriert hatten.

Social Media und Blogs – Die Vorteile

Die Begriffe “Content”, “Content Marketing” und “Content Strategie” hört man derzeit überall. Viele Blogger sind davon ein bisschen genervt, schließlich haben sie im Grunde nie etwas anderes getan, als sich mit der Erstellung von guten Inhalten und deren Vermarktung zu beschäftige. Und gebloggt wurde schon, bevor auch nur irgendjemand wusste, was mit den Buchstaben SEO abgekürzt wird. Dass sich der Einsatz von Social Media und Blogs lohnt, hat sich längst auch bei den Unternehmen herumgesprochen – das Problem ist nur: Die meisten haben ganz falsche Vorstellungen davon, inwieweit sich das lohnen kann.

Denn wer nun erwartet, dass man sich einfach nur eine Seite bei Facebook oder Google+ anlegen muss, um eine Seite bekannt zu machen, liegt leider völlig falsch. Viel mehr geht es darum, einen guten Mix aus verschiedenen Social Media-Angeboten zusammenzustellen und dabei das Blog zur Zentrale aller Maßnahmen zu machen. Und zwar ein Blog, das an die Seite  angebunden ist – eine gegenseitige Wechselbeziehung ist dabei elemanter. Wer außerdem meint, mit Social Media und Bloggen die Verkaufszahlen schnell in die Höhe treiben zu können, liegt ebenfalls falsch – hier handelt es sich um ein langfristiges Engagement, das hauptsächlich darauf zielt, seine Marke bekannt zu machen und etwas für die Reputation zu tun. Und wer schließlich glaubt, im Social Web erfolgreich sein zu können, obwohl er eigentlich keine Lust auf Social Media hat, sollte ebenfalls erst gar nicht damit anfangen. Bloggen und Social Media machen viel, viel Arbeit und bringen wird das Engagement nur  dann etwas, wenn man eine ganze Weile sehr konsequent dran bleibt. Vor allem aber muss absolute Bereitschaft zur Kommunikation da sein. Doch es gibt eine ganze Menge Vorteile:

Kundenbindung:

Social Media und Blogs sind perfekte Möglichkeiten, etwas in Sachen Kundenbindung zu tun – über den direkten Dialog zum Beispiel oder über einen angebotenen Mehrwert. Vorausgesetzt, man ist freundlich, authentisch und bereit zur Kommunikation.

Empfehlungen:

Ohne Empfehlungen läuft heutzutage nichts – weder on- noch offline. Wer gute Inhalte im Netz liefert, wird weiterempfohlen. Das kann online zum Beispiel durch Retweets und Shares auf den Plattformen passieren, indem jemand auf Ihre Blogartikel oder andere Inhalte verweist. Und andere schreiben vielleicht in ihren Blogs über Sie und teilen die Artikel dann auch wieder über ihre Social Media Kanäle. Empfehlungen gibt es aber auch offline, weil sich jemand im richtigen Moment positiv an Sie erinnert, weil er Sie aus dem Netz  kennt. Und: Wer in Onlineshops kauft, informiert sich gerne auch über das Unternehmen über Google. Unternehmen, die als positiv, hilfsbereit und interessant wahrgenommen werden, sind immer im Vorteil.

Linkbuilding:

Nicht nur die Empfehlungen an sich sind wertvoll, sondern auch die Backlinks. Je öfter eine Seite verlinkt wird, umso besser wird das von Google bewertet.

Viralität:

Blogs, die bekannt sind, werden außerdem immer öfter auch in Print-Magazinen oder Online-Magazinen erwähnt, Stichwort “virales Marketing”. Ich habe das selber erst neulich mit meine Blog “Gemacht mit Liebe” erlebt, das “Blog des Monats” bei der Zeitschrift Mollie Makes war. Das hat mir nicht nur superviele neue Leser über den Mollie Makes-Newsletter (direkt), sondern vor allem über die sozialen Plattformen (indirekt) gebracht, wo darauf hingewiesen wurde, was dann immer wieder gelikt und geteilt wurde.

Kosten:

Es fallen fast keine oder eben nur sehr niedrige Investitionskosten an. Die Anmeldung auf den einzelnen Plattformen ist kostenlos und auch ein Blog lässt sich ohne große Kosten installieren. Viele Hoster bieten die einfache Installation der Bloggersoftware WordPress an, attraktive Layouts gibt es umsonst oder für sehr günstiges Geld. Und auch das Erstellen der Inhalte muss nichts kosten, wenn man es selber macht. Ideal für Unternehmen mit kleinenm Werbebudget.

Unabhängigkeit:

Man kann seine Accounts und Blogs selber betreuen, ohne dafür technisches oder umfangreiches Wissen haben zu müssen. Klar, einige Regeln gibt´s in Sachen Social Media, aber das kann man lernen.

Es gibt also mehrere gute Gründe, auf Social Media und Blogs zu setzen. Doch bevor es losgeht, muss eine Content-Strategie entwickelt werden.

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Studie: Die digitale Gesellschaft und die Zukunft

Und gleich noch eine interessante Umfrage habe ich in meinem Feedreader gefunden: Das Institut für Demoskopie Allensbach hatte im Januar eine Befragung zur Internetnutzung durchgeführt. Dabei wurde nach der Zukunft der digitalen Gesellschaft gefragt, zum Beispiel welche Erwartungen Deutsche mit den technischen Neuerungen verbinden und wie die zunehmende Digitalisierung bewertet wird.  Hintergrund der Umfrage ist das Thema des diesjährigen Wissenschaftsjahres, nämlich „Die digitale Gesellschaft“. Mal abgesehen davon, dass das Thema im Netz leider bisher kaum eine Relevanz hat: Die Umfrage zeigt in meinen Augen, wie indifferent mit dem Thema Internet oft umgegangen wird.

Schon die erste Frage ist sehr sehr schwammig formuliert:  „Durch das Internet und digitale Technologien verändet sich ja vieles, z.Bsp. wie die Menschen einkaufen, wie sie mit persönlichen Daten umgehen oder auch, wie sie sich austauschen und informieren. Einmal ganz allgemein gefragt: Sehen Sie diesen Veränderungen alles in allem eher mit Hoffnungen oder mit Befürchtungen entgegen?“ Entsprechend fallen dann auch die Antworten aus: 39% antworteten, sie würden den Veränderungen „mit Befürchtung“ entgegensehen, nur 20% antworteten „mit Hoffnung“. Doch was war eigentlich gemeint? Diejenigen, die die die Frage beantwortet hatten, schienen es wohl selber nicht so genau zu wissen. Interessant auch, wie unterschiedlich die Antwort je nach Altersgruppe ausfällt. Hier das Schaubild:

Umfrage 1

Und so erklärt sich dann auch, dass bei der nächsten Frage ein ganz anderes Ergebnis herauskam. Da wurde nämlich gefragt:  „Wie sehen Sie das für sich persönlich: Erwarten Sie für sich persönlich durch diese Veränderungen alles in allem mehr Vorteile oder mehr Nachteile?“ Nun antwortete der Großteil, nämlich 43%, dass sich beides ausgleiche. 29% sehen außerdem mehr Vorteile und nur 14% mehr Nachteile. 14% antworteten mit „keine Angabe“. Auch hier wieder ein extrem starkes Gefälle je nach Altersgruppe außerdem: Umfrage 2

Das macht etwas misstrauisch. Und siehe da, bei der dritten Frage sah ich bestätigt, dass mein diffuses Unbehagen nicht ganz unbegründet war. Gefragt wurde hier nach den erwarteten Veränderungen: Wie wird sich die Nutzung des Internets konkret auf verschiedene Bereiche auswirken und was wird in zehn Jahren eintreten?  Was mir hier sofort auffiel: Das in den Fragen verwendete Vokabular deutet eine eher negativ-kritische Haltung an. Einige Beispiele: „normale Geschäfte“, „sich abfinden“, „nicht sicher“, „Datenmissbrauch“, „Hacker“, „weniger lernen und nachdenken“, „persönliche Informationen preisgeben“, „sicherer umgehen“, „kritisch“ oder „Mobbing, um nur einige zu nennen. Daneben wird dadurch impliziert, dass es einen Unterschied zwischen der On- und der Offlinewelt gibt und das ist natürlich Unfug. Dazu kommt: Natürlich kann die Art, wie eine Frage gestellt wird, auch eine bestimmte (erwartete) Antwort nach sich ziehen. Man muss die Frage nur entsprechend formulieren. Hier die Antworten:

umfrage 3umfrage 4

Wer die ganze Studie lesen möchte: Das kann man  hier tun.

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Studie: So bloggt die deutsche Blogszene

deutsche bloggerszene

Beim Aufräumen meines Feedreaders fiel mir eben die Umfrage von Rankseller zum über die deutsche Blogszene in die Hände. Zwar stammt sie vom Sommer letzten Jahres, doch die Zahlen dürften sich seitdem nicht gravierend geändert haben. 2344 Blogger wurden befragt und das ist nicht gerade wenig. Interessant ist die Studie insofern, weil sie ganz gute Zahlen über die deutschen Blogger, aber eben auch zum Thema Blogger Relations liefert. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

 

Studie Deutsche Blogger

Auf die Frage, wie lange schon gebloggt wird, kam heraus, dass sich vor allem in den letzten Jahren viel getan hat: Knapp 46% der Befragten bloggen nämlich erst seit bis zu drei  Jahren, 28,2% drei bis fünf Jahre und 26% länger als fünf Jahre. Hier im Blog hatte ich das ja schon einige Male geschrieben, nämlich dass Blogs in den letzten Jahren wieder mehr Bedeutung gewonnen haben und deutlich wahrnehmbar mehr gebloggt wird – hier nun gibt´s dafür endlich mal eindeutige Zahlen. Dabei aber bitte beachten: Es geht um „klassische“ Blogs, nicht speziell um Corporate Blogs.

Was für Deutschland ebenfalls nur sehr schwer zu finden ist: Zahlen darüber, zu welchen Themen überhaupt gebloggt wird. Man sollte meinen, dass die meisten Blogs vielleicht Social Media oder Medien thematisieren, doch dem ist nicht so, wenn man sich die Aufteilung ansieht. Viel mehr sieht das so aus: Heim und Garten7%, Erotik und Liebe 6,4%, Gesundheit und Ernährung 5,6%, Reisen und Touristik 5,3%, Elektronik und Computer 5,2%, Lifestyle und Mode 5,1%, Business 4,9%, Bildung und Wissen 4,8% und schließlich Shopping 4,2%.

Wie oft schreiben die Blogger? Die Mehrzahl, nämlich 25%, veröffentlichen fünf bis zehn Artikel pro Monat, während mehr als 50 Artikel pro Monat nur von 11,2% der Blogger veröffentlicht wird. Geschrieben wird meist übers Hobby (72%), wobei mehr als die Hälfte der Blogger auch einen beruflichen Hintergrund dazu bieten können (58,2%).

Und natürlich sehr interessant: Die Frage nämlich, ob die Blogger auch an Kooperationen mit Unternehmen interessiert sind, beantworteten 91,4% mit Ja. Ein Drittel der Blogger hat es dabei auch geschafft, in den Focus der Unternehmen zu rücken: 66,8% der Blogger können auf Interesse von Unternehmen und Brands verweisen. Auf der Einnahmenseite sieht es auch nicht ganz schlecht aus: 63,5% der Blogger verdienen monatlich bis zu 300 Euro mit ihren Blogs und immerhin 13% mehr als 1000 Euro.

Und die Bewerbung von Blogs? 35,4% der Blogger setzen auf SEO – die fast gleiche Anzahl aber, nämlich 35%, haben erkannt, dass man das auch mit Social Media machen kann. Wie zu erwarten bieten schließlich die wenigsten noch Newsletter an – ganze 10% nämlich.

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asap – oder: Wie das mit den Blogger Relations nichts werden kann

Blogger Relations

Und dann die hektische Redakteurin einer großen Frauenzeitschrift, die eine Mail schickte und schrieb, sie habe mein Blog gemachtmitliebe.de gelesen und das sei alles so wahnsinnig toll und ganz besonders toll aber fände sie den Balkon und zufälligerweise wolle man in der nächsten Ausgabe des Balkon-Sonderheftes verschiedene private Balkone und ihre Besitzer vorstellen und ob ich, liebe Daniela, nicht mitmachen wolle und, weil das ganze auch ein wenig eile, asap ein paar Fotos schicken könne.

Also zurückgeschrieben und auf die Frage, welches ihr von den ungefähr 60 Fotos im Blog denn am besten gefallen würde, die Antwort bekommen, da habe sie jetzt nichts spezielles im Kopf, aber es wäre echt total toll, wenn ich einfach mal was schicken könne, aber asap bitte!

Große Verwunderung meinerseits, nicht, dass der Balkon nicht schön wäre, aber es ist eben einfach nur irgendein Balkon mit ein paar Blumen und Möbeln drauf, nichts besonders und schon gar nichts, was man auf Hochglanzstrecken großer Frauenzeitschriften erwarten würde. Also nochmal eine E-Mail zurückgeschrieben, wie man sich das denn genauer vorstelle und wie man auf mich gekommen sei. Nun ein Anruf von der hektischen Redakteurin, ja, am Telefon ginge das jetzt doch viel schneller, und ob ich, liebe Frau Warndorf, nicht einfach schon mal was schicken könne, dann würde man gucken und sich auch gleich melden, asap natürlich, es sei ja alles so eilig jetzt und ich habe halt so tolle Fotos auf dem tollen Blog und jetzt aber müsse sie weg, Redaktionskonferenz.

Noch mehr Verwunderung, auch über den Wechsel vom vertraulichen Du der E-Mail zum businesshaften Sie. An den aktuell komplett vollgerümpelten Balkon gedacht. Die leeren Bierkästen von der Party, das Leergut, die zusammengeklappte Werkbank, zehntausend dreckige Blumentöpfe, Gartenerde, Pflanzgeräte, die Balkonkästen, aber gut, das sieht man ja nicht auf den Fotos. Der Redakteurin also eine Auswahl der schönsten Fotos zusammengestellt. Balkon mit Blumen, Balkon mit Tisch, Balkon mit Tisch und Katzen drauf, Balkon mit Katzen auf dem Boden und Blumen dahinter, Balkon im Regen, Balkon mit Eichhörnchen, Balkon mit Frühlingsblumen, Balkon bei der Grillparty, Balkon mit Lampions, Balkon mit bunten Polstern und Katzen drauf, Balkon im Winter. Fotos geschickt, ganz schnell natürlich, es ist ja keine Zeit und warum auch nicht, den Balkon mal in einer großen Frauenzeitschrift sehen ist sicher lustig.

Auf Antwort gewartet. Eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden, einen Tag, zwei Tage. Nach “asap” gegoogelt, sicherheitshalber. Der Redakteurin eine E-Mail geschrieben und gefragt, was denn jetzt sei. Antwort von der Redakteurin bekommen. Man sei jetzt schon im Layout, mit anderen Balkonen aber, allerdings könne immer noch sein, dass sich da was ändere und man dann Ersatz brauche und wenn dann ich, liebe Daniela, für das Interview  zur Verfügung stehen würde, also asap noch die Fragen…?

Die Mail nicht zu Ende gelesen. Auf den Balkon gegangen. Dem Eichhörnchen und den Amseln Futter hingestellt. Mich auf einen Stuhl an den Tisch gesetzt. In die Februarsonne geblinzelt. Mich auf den nächsten Balkonsommer gefreut. Und froh darüber gewesen, nicht mehr selbst in solchen Redaktionen arbeiten zu müssen.

Habe ich schließlich lange genug gemacht.

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Fünf Jahre Twitter

Heute vor fünf Jahren habe ich mich auf Twitter angemeldet und nach wie vor schätze ich diese Plattform am meisten: Weil sie so schlicht und einfach funktioniert und darum unheimlich dynamisch sein kann. Vorausgesetzt natürlich, man hat sich eine gute Timeline zusammengestellt.

Ob ich mich, würde ich mich heute nochmals neu auf Twitter anmelden, wieder „Frau Elise“ nennen würde, weiss ich nicht so genau. Als ich damals mit dem Twittern angefangen hatte, wollte ich zunächst anonym bleiben und dann war da dieser lila Ameisenbär… Das mit dem Anonymseinwollen hat sich allerdings recht bald geändert, zumal es, wenn man sich mit anderen vernetzt, unmöglich ist, nicht seinen Namen zu nennen oder über das, was man so macht, zu erzählen. Und nach all der Zeit ist mir der Name nicht nur ans Herz gewachsen, sondern ist auch ein bisschen so etwas wie meine Marke geworden.

Und meine Twitter-Bilanz nach fünf Jahren? Nun:

Mehr gibt´s dazu eigentlich nicht zu sagen 🙂

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Der vorletzte Sommer

sommer

Die Sommer am See waren furchtbar heiß und schwül und zwischen Juli und August herrschten subtropische Temperaturen, die kaum zu ertragen waren. Wegen der Alpen konnte sich die feuchtwarme Luft, die sich tags über dem See angesammelt hatte, nicht verziehen. Also staute sie sich davor, bis sie irgendwann auch den letzten Winkel der Stadt verschluckt hatte, um sich schließlich in einem der heftigen Sommergewitter zu entladen, die beinahe täglich aufzogen. Zwar kühlte es danach kurz ab, doch sobald die Wolken verschwunden waren und die Sonne wieder schien, verdunstete das Regenwasser und die Luft war nur noch feuchter und wärmer als zuvor. Bewegte man sich draußen, klebten einem innerhalb von Minuten die Klamotten am Leib. An manchen Tagen war der Asphalt auf den Straßen außerdem so weich, dass die Autos tiefe Rillen hineinfuhren und längst war aus dem frischen Grün der Vorgartenrasen ein schales Ockergelb geworden.

Ich hasste die Hitze, ich hasste das Schwitzen und es gab Tage, an denen ich gar nicht raus ging und andere, an denen ich nur früh morgens oder spät abends die Wohnung verließ, um meine Einkäufe oder was eben sonst so anfiel, zu erledigen. Die Fenster hielt ich weit geöffnet, das Draußen aber sperrte ich mit den alten Holzfensterläden aus. Tage verbrachte ich so im Halbdunkel der Wohnung und war froh, wenn die Temperatur abends etwas sank und sich endlich ein sanfter Luftzug durch die Lamellen des Fensterladens in die Wohnung schlängelte. Meine Arbeit konnte ich von zuhause erledigen, dazu saß ich in der Küche, die nach Norden lag und einen kühlen Steinboden hatte. Ansonsten aber ging ich spät nachts ins Bett und schlief morgens so lange wie möglich. Ich war der Meinung, dass dies die einzige Art sei, würdevoll über den Sommer zu kommen und versuchte ansonsten, die Hitze so weit wie nur möglich einfach zu ignorieren.

Die Sommer am See waren aber nicht nur heiß und schwül, sie waren vor allem laut und das in der Straße, in der ich lebte, ganz besonders. Alle 17  Minuten rauschte keine 15 Meter von meiner Wohnung entfernt die Eisenbahn vorbei. Die erste um 5 Uhr 21, die letzte um 1 Uhr 12. Konnte man die meiste Zeit des Jahres so tun, als würde einen der Lärm nicht stören, war die Bahn im Sommer wegen der offenen Fenster nicht zu überhören. Telefonieren, Fernsehen, Musik hören, kam die Bahn, geriet alles für eine halbe Minute ins Stocken.

Die Bahn war aber nicht das schlimmste. Viel unangenehmer war das laute Leben, das draußen vor meinen Fensterläden an mir vorbeizog. Kaum war der Sommer da, begannen die Menschen in der Stadt, sich aufzuführen, als gäbe es kein Morgen. Die Altstadtgassen, die Freibäder, die See- und Rheinpromenaden und die Parks, alles war voll mit diesen klebrigen, lauten, halbnackten und fröhlichen Menschen, so dass man da nicht hin konnte.Aber auch in der Straße, in der ich lebte, waren sie überall. Sie liefen auf den Gehwegen herum oder radelten die Straße entlang, sie saßen in den Schrebergärten, die sich zwischen der Straße vor meinem Haus und die Eisenbahnschienen quetschten, sie saßen auf den Balkonen oder auf Klappstühlen, die sie sich hinter die Häuser im Innenhof aufgebaut hatten. Ein bisschen wie in Italien, nur dass Konstanz halt nun mal nicht Italien, sondern diese kleine Stadt am See war, in der ich Jahr für Jahr den Sommer über wegen der Hitze und der Menschen schlechte Laune hatte und auf den Herbst wartete. Ohne zu wissen, dass mein Warten mit dem Sommer eigentlich gar nichts zu tun hatte, sondern ganz anders begründet war.

Noch viel lauter als die Tage waren die Nächte. Mein Wohn- und mein Schlafzimmer lagen zur Straße und in der Nähe gab es dieses Studentenwohnheim. Weil die Straße direkt in den Fußgängerweg mündete, der über die Rheinbrücke in die Stadt führte, war in der Straße immer viel los. Alle Studenten liefen und fuhren nämlich an meinem Haus vorbei, abends Richtung Stadt, nachts Richtung Wohnheim. Und Studenten, das weiss jeder, können weder leise radeln noch leise laufen. Da wurde telefoniert, gequatscht, gesungen, gejohlt und weil es außerdem anscheinend unter meinem Schlafzimmerfenster ganz besonders schön war, blieben sie gerne dort stehen, um sich über den WG-Abwasch, die fehlenden Unterlagen im Semesterapparat oder irgendwelche Sportstudentinnen zu unterhalten. Dinge, die man eben nachts um zwei Uhr so besprechen muss. Ein Paar trennte sich nach einem halbstündigen Streit unter meinem Fenster und zwei Personen hatten dort Sex. Aber nicht miteinander. Telefoniert wurde auch gerne, mit den Eltern, den Sportstudentinnen, dem Ex oder dem Pizzaservice und so brüllte ich manchmal gegen drei Uhr nachts Dinge wie “Die Nummer 67 schmeckt nicht, nimm lieber die 69 mit Salami!” aus dem Fenster oder stopfte Kondome durch die Lamellen des Fensterladens nach draußen. Und manchmal spritzte ich mit der Blumenspritze Wasser hinaus. Aber nur ein bisschen.

Waren die Studenten endlich alle daheim, kam um halb fünf Uhr die Zeitungsausträgerin mit dem Lokalblatt, das sie meinen Nachbarn in die Briefkästen steckte. Natürlich mit extra lautem Klappern, damit alle mitbekamen, wie hart sie arbeitete und dass es nur deswegen möglich war, überhaupt Zeitung lesen zu können. Was sie allerdings nicht wusste: Dass bis auf den Algerier im dritten Stock alle im Haus jenseits der 70 und so schwerhörig waren, dass sie weder die Bahn, noch die Studenten und geschweige denn das Klappern der Briefkästen hätten hören können. Nur ich, die ich im Erdgeschoss wohnte und wegen der Hitze nachts das Fenster hinter den Fensterläden auflassen musste, bekam das alles mit. War die Zeitungsfrau endlich weg, hatte ich für 51 Minuten Ruhe, denn dann kam die erste Bahn. Und um 5 Uhr 30 stand dann auch schon Frau B im Stockwerk über mir auf.

Frau B war 82, Frau B hatte einen inkontinenten Berner Sennenhund namens Benny, Frau B machte Morgengymnastik und Frau B war Frühaufsteherin. Das wäre eigentlich alles kein Problem gewesen. Jedenfalls bis auf die Sache mit dem Hund, denn der pinkelt mir jeden Mittwoch und jeden Samstag einmal auf meine Fußmatte. Darauf angesprochen tat Frau B immer so, als würde sie nicht wissen, wie die Hundepisse dahin gekommen war, obwohl wir ja beide wussten, dass exakt nur ein Hund, nämlich ihr inkontinenter Fifi, im Haus lebte. Naja, und bis auf die Sache mit unserem Haus. Das war in den 50er- Jahren gebaut worden, in einer langen Reihe acht baugleicher Häuser entlang der Eisenbahnstraße. Man hatte damals schnell günstigen Wohnraum gebraucht, also zimmerte man aus billigen Materialien und dem, was vom Bau der Eisenbahn übrig geblieben war, ein paar Mietshäuser zusammen. Und als ich einmal um 5 Uhr 5 mit dem Besenstil an die Decke schlug, um Frau B. zu verstehen zu geben, dass ich Morgengymnastik zwar prinzipiell dufte fände, dagegen aber Kegeln mit Hinkelsteinen, Herumreiten auf einem Elefanten und Polonaise mit Bundeswehrstiefeln nicht ganz so dufte, da brach der Besenstiel 20 Zentimeter in die Decke ein. Stroh rieselte herunter und als ich verblüfft das gut zehn Zentimeter breite Loch betrachtete, musste ich feststellen, dass die Decke innen fast hohl und es somit nicht weiter verwunderlich war, dass ich, wenn Frau B. in ihrer Küche saß und telefonierte, praktisch jedes Wort in meiner Wohnung hören konnte. Ebenso wie ihre Klogeräusche.

Gegen sechs Uhr dann konnte ich Frau B mit ihrem Fifi durchs Treppenhaus trampeln hören, die Morgenrunde Gassi stand an. Ich konnte oft beobachten, wie die beiden langsam und bedächtig auf der anderen Straßenseite an den Schrebergärten entlangliefen. Es waren nicht viele Gärten, vielleicht vier oder fünf Stück. Sie waren von meterhohen Hecken umgeben, so dass man kaum hineinblicken konnte. Die Tore, durch die die Hecken ab und an unterbrochen waren, waren von Grünzeug umwuchert, so dass sie aussahen, als seien sie seit Jahren nicht mehr geöffnet worden. Es gab auch keinen richtigen Weg vor den Gärten, nur einen Trampelpfad, den die Autofahrer, die ihre Autos auf der Bordsteinkante parkten, ins Gras getreten hatten. Und Frau B., die mehrmals am Tag den Weg mit ihrem Hund ablief. Was sollte sie sonst auch tun, ihre zwei Kinder besuchten sie nie und der Mann war vor zehn Jahren gestorben. Krebs.

In den Garten gegenüber von meinem Haus war im Frühjahr jemand Neues eingezogen, ein gutaussehender Typ Ende 30, der wochenlang mit nacktem Oberkörper erst das ganze Unkraut und Gestrüpp, unter dem der Garten begraben war, entfernt und sich dann einen freistehenden Grill und eine hübsche Gartenlaube gebaut hatte, vor der er dann den Sommer über alleine in der Sonne lag. Manchmal winkte er mir zu, wenn ich das Haus verließ und einmal lud er mich auf ein Bier ein, aber ich lehnte dankend ab und achtete danach darauf, nicht die Fensterläden zu öffnen, wenn er im Garten war.

Ein Haus weiter wohnte dieser eklige alte Mann im Erdgeschoss, wie ich auf der linken Seite und somit in einer baugleichen Wohnung. Auch er lebte offensichtlich alleine. Weil es wohl nicht viel für ihn zu tun gab, hatte er stets ein Kissen auf der Fensterbank seines immer offenen Fensters liegen, auf dem er seine Arme breit aufstützte, um den lieben langen Tag zu beobachten, was auf der Straße vor sich ging. Er hatte längeres zotteliges Haar, einen struppigen Bart und ein talgiges Gesicht. Manchmal trug er ein schmuddeliges Unterhemd, die meiste Zeit aber obenrum nichts, so dass man seinen erschlafften Oberkörper sehen konnte und ich hätte schwören können, dass er dann auch unten herum nichts trug. Lief man unter seinem Fenster vorbei, grüßte er und jedes Mal tat ich so, als hätte ich ihn und den Gruß nicht bemerkt. Ich ekelte mich vor ihm und ich ekelte mich davor, unter seinem Fenster vorbeilaufen und ihn ignorieren zu müssen, weil ich wusste, dass er es auch wusste und mich genau deswegen immer wieder aufs Neue grüßte. Ich wusste aber auch, dass er nachts in seinem Bett wie ein altersschwaches Kamel hustete und röchelte, so laut, wie es nur alte Männer tun können und so laut, dass ich es nachts durchs offene Fenster in meinem Bett hören musste.

Nebenan wohnte Frau G, sie war Mitte 80 und eine richtige Dame. Irgendwann in den 70ern waren ihr Mann und sie in die Wohnung eingezogen, er hatte ein größeres Unternehmen in der Stadt geleitet, war aber mit Mitte 60 schon gestorben, die Kinder lebten in anderen Städten und kamen selten zu Besuch. Ab und an brachte ich ihr Altglas weg, Wiener-Würstchen-Gläser und Piccoloflaschen, Frau G. war eben elegant. In jenem Sommer dann starb sie und als ihre Wohnung geräumt war, zog dort ein etwa 50jährier Mann ein. Ich bekam nicht viel mit von ihm, beim Einzug sah ich ihn einmal ganz kurz von hinten, als er einen Karton durchs Treppenhaus in die Wohnung trug. Manchmal hörte ich ihn durch die geschlossene Türe singen, wenn ich zum Briefkasten ging oder den Müll raus brachte. Lola von den Kinks, sang er dann oder Wind of Change von den Scorpions. Einmal klingelte ein Mann bei mir. Ob ich denn wisse, was mit seinem Bruder sei, der wohne in der Wohnung gegenüber und er habe sich seit Tagen nicht mehr auf seine Anrufe zurückgemeldet. Nein, ich würde nichts wissen, antworte ich. „Wirklich nicht?“ sagte er. „Aber sie wohnen doch hier Tür an Tür?“ – „Ja, aber was heisst das schon?“, sagte ich schloss grusslos die Tür. Ich hatte keine Lust, mit ihm zu reden, wie ich überhaupt auch sonst keine Lust hatte, mit nur irgendjemandem zu reden. Dass der Bruder, als wir uns einmal im Treppenhaus einander über den Weg gelaufen waren, zwei Tüten mit scheppernden Bierflaschen trug und es aus seiner Wohnung ganz furchtbar nach Alkohol gerochen hatte, war doch außerdem seine Sache. Ja, das Haus, das hatte seine besseren Zeiten hinter sich und was die  Zukunft anging, sah es auch nicht viel besser aus.

Einige Male musste nachts der Notarzt kommen wegen Herrn M im vierten Stock. Herr M war mit Frau M verheiratet und hatte es mit dem Herzen. Mit Frau M. hatte ich lange Jahre unangenehme Diskussionen, weil sie immer Essenreste aus dem Küchenfenster warf. Wurst, Pizza, Käse und belegte Brote zum Beispiel. Für Benny sei das, schrie sie dann aus dem vierten Stock mit ihrer gellenden Stimme, wenn ich hochbrüllte, dass sie das bitte lassen solle. Benny, der inkontinente Berner Sennenhund, ignorierte den Kram geflissentlich, so dass unter meinem Fenster stets eine passable Sammlung der verschiedensten Lebensmittel lag, die an den heißen Tagen vor sich hingammelten und die Fliegen anzogen. Eines Tages brachte mein Kater eine lebende Ratte durch die Katzenleiter in die Küche, die er dann nach einer wilden Schlacht dort erledigte. Da sind Ratten und Sie füttern sie, schrie ich also ab und an zurück, wenn Frau M mal wieder oben aus dem Fenster lugte, aber Frau M. glaubte mir nicht, krakelte lauthals herum und warf weiter Essen herunter, bis ich eines Tages das gammelige Zeug einsammelte und in ihren Briefkasten stopfte.

Dann war der Sommer endlich herum und ich traf zum ersten Mal den Mann und ein Jahr später, Ende September also, zog ich nach Köln um. Eine phantastische Wohnung hatten wir gefunden. Eine, in der alles neu gemacht worden war, schicke Fließen im Bad, schöne Eichenholzböden und viel Ruhe, denn die Wohnung lag am Stadtrand und war von Parks umgeben. Nachdem wir die letzten Sachen im LKW verstaut hatten, kamen Frau M aus dem vierten Stock und Frau B. aus dem zweiten Stock mit ihrem inkontinenten Berner Sennenhund aus dem Haus. „Wir wollten uns noch verabschieden und Ihnen alles Gute wünschen“, sagte Frau B, während mir Benny am Fuß herumschnuffelte. „Sie werden mir fehlen“, sagte sie dann. „Sie mir auch. Und auch das alles hier, das mit dem Haus“, sagte ich und meinte es auch so. „Ich weiss“ sagte Frau M aus dem vierten Stock.

Und dann drückte mir ein kleines, in Alufolie gewickeltes Päckchen in die Hand. „Für die Katzen. Käse-Maccaroni mit Käse überbacken. Die in Köln haben doch nichts.“

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Was macht eigentlich ein Social Media Manager?

komputery

 

Corporate Blogs, Twitter, Facebook, Google+ und Youtube haben in den letzten Jahren nicht nur enorm an Bedeutung gewonnen, sondern sind neben vielen weiteren Social-Media-Plattformen fester Bestandteil der Unternehmenskommunikation geworden sind. Entsprechend hat sich das neue Berufsfeld „Social Media Managment“ entwickelt.

Unternehmen haben erkannt, dass es nicht ausreicht, Social Media in den Abteilungen für Marketing, Redaktion oder Presse anzugliedern, wie man das in der Anfangszeit von Social Media gerne noch getan hat – damals, als man noch hoffte, dass sich die Euphorie bald wieder legen und sich die Sache somit von alleine erledigen würde. Entsprechend werden Social Media Manager mittlerweile ganz selbstverständlich eingestellt.

Allerdings sind Social Media Manager keine Heilsbringer, wie sich Christine Helliger letztes Jahr in ihrem Blog zurecht ärgerte. Und vermutlich wird es diesen Beruf so, wie wir ihn heute kennen, auch in ein paar Jahren nicht mehr geben. Die Methoden, wie kommuniziert wird, ändern sich schließlich andauernd und vor allem sehr schnell. Bleiben wird nur, dass weiterhin kommuniziert werden muss. Und dazu sind die Anforderungen, die unterschiedliche Social Media Manager in unterschiedlichen Unternehmen zu erfüllen haben, eben: unterschiedlich.

Das haben übrigens auch zahlreiche Bildungsträger erkannt und versuchen, von dieser Entwicklung zu profitieren. Ich muss immer ein bisschen schmunzeln, wenn ich mal wieder in meinem Umfeld mitbekomme, dass sich gerade wieder jemand bei der IHK oder einem anderen Bildungsträger angemeldet hat, um ein Seminar in Sachen Social Media Managment zu absolvieren, um damit später beruflich durchzustarten. Denn in der Regel tun das Leute, die bis dato nie getwittert oder gebloggt haben und auch nicht wissen, was der Unterschied zwischen Vimeo und Vine ist. Solche Ausbildungsgänge helfen zwar sicher, gewisse Grundkenntnisse zu erlernen. Doch um zu erkennen, wie die User auf der Plattform X im Unterschied zu denen auf Plattform Y ticken und was sie wollen oder wer wo für was Opinion Leader ist , braucht es etwas mehr, nämlich langjährige Erfahrung und vor allem aber ein feines Gespür und sehr viel Intuition. Das lernt man aber nicht einfach mal eben so in einem Block-Seminar und ich bin mir auch sehr sicher, dass die Bildungsträger das ebenfalls ganz genau wissen.

Trotzdem gibt es bestimmte Grundvoraussetzungen, die Social Media Manager erfüllen müssen – dazu gehören ganz allgemeine, aber eben auch sehr spezifische Fähigkeiten.  In einem Artikel, der auf zweiblog.com erschien, gehe ich darauf nochmals näher ein: „Social Media Manager – ein Beruf mit vielen Anforderungen“.

Was meinen Sie dazu? Wie wichtig sind Social Media Manager? Wird es sie in einigen Jahren noch geben? Und was müssen diese eigentlich können? Schreiben Sie mir – ich freue mich auf Ihre Kommentare.

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