Die Interactive Cologne 2014 – so war`s

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In diesem Jahr war ich zum ersten Mal seit 2010 nicht in Berlin auf der re:publica – es klappte zeitlich nicht und außerdem wollte ich stattdessen lieber ein paar kleinere Konferenzen und BarCamps besuchen. Am Mittwoch und Donnerstag war ich also auf der Interactive Cologne unterwegs. Und ich bin ein bisschen hin- und hergerissen, wie ich die Konferenz für mich bewerten soll. Es war interessant, aber von einer Konferenz, die „interactive“ im Namen trägt, hatte ich anderes erwartet.

Während der Mittwoch sich vorrangig mit der Digital Economy beschäftigte, ging es am Donnerstag um Digital Media und Digital Society – an sich interessante und spannende Themen. Doch insgesamt hatte ich den Eindruck, dass von den Veranstaltern zwar ambitioniert versucht worden war, einiges unter einem Dach zusammenzubringen, man sich dabei aber weniger Gedanken um die Zielgruppe gemacht hatte. Dazu in den Vorträgen viel Eigenwerbung, Selbstbeweihräucherung und rein selbstreferentielles Vortragen anstatt Teilen von Wissen und Entwickeln neuer Ideen oder gar Thesen. Viel war von den sogenannten „Nerds“ die Rede und oft genug wurden auch gängige Klischees wie „Frauen gucken GNTM, Männer interessieren sich für Formel 1“ bedient. Die Keynote am Eröffnungs-Mittwoch von Unity Media/Kabel BW ging so außerdem gar nicht – wenn ich Werbung möchte, gucke ich in die Werbebriefe, die wir regelmässig von Unity Media bekommen. Also nie.

Interaktion war außerdem das große Thema der Interactive Cologne 2014, aber dann saß man in den Vorträgen halt mit diesen Kopfhörern auf dem Kopf – irritierend für die Redner, weil so kaum Stimmung wahrnehmbar war und auch nur wenig Feedback kam, während man sich als Zuhörer auch nicht mehr mit seinem Sitznachbarn austauschen konnte. Natürlich gab es für die Kommunikation die Kaffeebar und den netten Innenhof. Nur: Austausch, Gespräche und Networking im Sinne einer offenen, kreativen Atmosphäre, wie man das von thematisch verwandten Veranstaltungen kennt, fanden hier kaum statt. Man stand halt mit seinem Kaffeebecher oder der Cola in der Hand herum, quatschte ein bisschen und dann ging man wieder rein, zog sich den Hörer auf den Kopf und hörte dem Vortrag zu, während man parallel ins Smartphone starrte. Wobei selbst da nicht viel passierte: Ich finde immer noch erstaunlich, wie wenige Leute live mittwitterten, wo es doch um Interaktivität ging. Und wenn wir gerade dabei sind: Wo stand auf der Website der Konferenz das Hashtag? Wo waren in der Kirche die Hinweisschilder mit dem Verweis aufs offene Wlan und das offizielle Hashtag sowie die Aufforderungen, sich im Netz aktiv zu beteiligen? Wäre es außerdem nicht toll gewesen, das Hashtag zum trending topic auf Twitter zu machen? Warum gab es vorab so wenig Community? Und damit meine ich nicht diese schräge App, über die man sich das Programm als PDF (!) von einer Dropbox (!!) herunterladen konnte.

Die Location, die Trinitatiskirche, gefiel mir, aber Atmosphäre und Stimmung, wie ich das von anderen Veranstaltungen dieser Art kenne, kam hier nicht so recht auf. Es fehlten Herz und Seele. Und Identifikationsfiguren: Die Macher waren zu wenig präsent, die Vortragenden zu schnell nach ihren Beiträgen wieder verschwunden, ebenso wie die anwesende Lokalprominenz, die sich nach der Eröffnungsrede ganz schnell wieder auf den Weg machte.

Oder anders:

 

Ich will jetzt aber nicht nur meckern, es gab natürlich auch Beiträge, die ich interessant fand: Stefan Kiwit von Exit-Media erzählte, wie Content Marketing auf einem neuen Level funktionieren kann. Das Interview mit ITV und Grandcentrix in Sachen Quizduell gab einige interessante Einblicke. Die Beiträge über Paid-Content, Bit Coins, Big Data, Entrepreneurship und die Zukunft der Innenstädte im Zeichen des zunehmenden E-Commerce waren natürlich auch nicht ganz unspannend. Eine Folge vom „Digitalen Quartett “ wurde aufgezeichnet und Johnny Häusler erzählte über die Geschichte der re:publica. Ich hatte außerdem nette Gespräche, habe viele bekannte Gesichter gesehen und kann natürlich auch einiges für mich mit nach Hause nehmen. Nur: Der Funke ist nicht übergesprungen.

Ob ich aber nächstes Jahr nochmals hingehe? Ich glaube nicht. Da fahre ich lieber wieder nach Berlin.

Kategorie Allgemein

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